Capriccio Nr. 1 / Invention / Capriccio Nr. 2

Titel
Capriccio Nr. 1 / Invention / Capriccio Nr. 2
für Klavier
Dauer
5:00
Anzahl Mitwirkende
1
Entstehung
1947
Satzangaben
Allegretto capriccioso
Risoluto
Allegro robusto
Audio
Copyright

György Ligeti Edition Vol. 6 © 1997 Sony Music Entertainment Inc./ ℗ 1997 Sony Classical
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Kommentare des Komponisten zum Werk

Ab September 1945 studierte ich an der Budapester Musikhochschule. Die beiden Capricci (1947) und die Invention (1948) sind Studienstücke aus meiner Zeit in der Kompositionsklasse von Sándor Veress. Die meisten »Formübungen« mussten wir im Stile Haydns oder Mozarts schreiben, auch machte ich Stilübungen nach Modellen Couperins, Rameaus und Schumanns. Dann aber sollte ich Aufgaben im »eigenen Stil« komponieren. Capriccio Nr. 1 ist von Bartók beeinflusst – ein Beispiel für die zusammengesetzte Liedform. Capriccio Nr. 2, eine Sonatine, ist dagegen schon weniger »bartókisch«.

Die Kontrapunktübungen waren zunächst auf den strengen Palestrina-Stil (nach dem berühmten Lehrbuch von Knud Jeppesen) beschränkt, orientierten sich dann aber an den Inventionen, Fugen und Choralvariationen von Bach. (Dies alles hatte ich schon früher begonnen, in der Kompositionsklasse von Ferenc Farkas in Klausenburg.) Ich habe mehrere streng Bach‘sche zwei- und dreistimmige Inventionen und drei- und vierstimmige Fugen geschrieben. Dann schlug Veress vor, eine »halb-Bach‘sche« Invention im »eigenen Stil« zu komponieren – dies ist die Invention von 1948. György Kurtág war mein Studienkollege in Budapest, und er spielte viel besser Klavier als ich. So wurden alle drei Stücke 1947 in einem Studentenkonzert der Hochschule von György und Márta Kurtág gespielt. (Die Zensur der kommunistischen Diktatur begann erst 1948.)

Einführungstext für das Begleitheft zur CD-Edition bei Sony Classical (György Ligeti Edition 6, »Keyboard Works«, SK 62307), 1997.

Abdruck aus: György Ligeti, Gesammelte Schriften (Veröffentlichungen der Paul Sacher Stiftung, Bd. 10), hrsg. von Monika Lichtenfeld, Mainz: Schott Music 2007, Bd. 2, S. 141-142. © Paul Sacher Stiftung, Basel und Schott Music GmbH & Co. KG, Mainz, Bestellnummer: PSB 1014

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